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Unternehmerdialog Digitalisierung

Unter Motto "Erfolgreich in der digitalen Welt" zeigten über 20 Unternehmen und Institute Praxisbeispiele auf, gestalteten Workshops und informierten im Dialog.


Nach zwei Jahren Digitalisierungs-Offensive Nürnberg sollte im Rahmen des Unternehmerdialoges eine Bilanz gezogen und über die Zukunft der Wirtschaftsregion gesprochen werden. Es wurden Erfahrungen und Erfolge im Prozess der Digitalisierung in den Bereichen Digitale Wirtschaft, Digital Industry, Digital Solutions und IT-Security geteilt. Beiträge und Impressionen finden Sie unter nebenstehendem Link.

Im Initial Dialog „Digitalisierung – Bedrohung oder Rückenwind für den Wandel“ diskutierten Dr. Michael Fraas, Prof. Dieter Kempf (BDI), Prof. Albert Heuberger (Fraunhofer IIS) und Michael Oschmann (Müller Verlag) zu Themen wie Bildung, Kooperation der Wissenschaft mit der Wirtschaft, Herausforderungen für den deutschen Mittelstand und die Zukunft der Medienbranche. Wichtig sei es vor allem KMUs auf den Weg zu bringen und ihnen die Notwendigkeit der Digitalisierung deutlich zu machen. Gerade das Umdenken weg vom Produkt hin zu Prozessen, sodass neue Geschäftsideen erkannt werden können, fällt einigen noch schwer. Die Ausbildung von jungen Menschen muss sich durch Förderung von IT-Kompetenz gezielter auf die Bedürfnisse von morgen richten und auch in der Wissenschaft muss sich ein engeres Netzwerk mit der Wirtschaft entwickeln. Die Digitalisierung wird jedoch keinesfalls als Bedrohung gesehen, sondern als Chance den Blick zu weiten, neue Wege einzuschlagen und die eigenen Stärken zu festigen.

Die deutsche Industrie beschäftigt über 10 Millionen Menschen. Auch bei den Ex- und Importen liegt Deutschland weltweit auf den ersten Plätzen. Mit diesen Fakten macht Professor Kempf (BDI) darauf aufmerksam, wie wichtig es ist, die sogenannte vierte Stufe der industriellen Revolution zu meistern. Er betont die Wichtigkeit von Prozessen und das Umdenken von Wertschöpfungsketten hin zu Wertschöpfungsnetzwerken. Im nächsten Schritt steht die Zusammenarbeit von Mensch und Maschine in Smart Factories und der Weg hin zu neuen Geschäftsmodellen. Voraussetzungen für diese Entwicklung sind der Aufbau einer Digitalkompetenz, Schaffung einer ausreichenden Breitband Infrastruktur und die Datensicherheit in Verbindung mit Datensouveränität.

Ist die Digitalisierung nur etwas für die großen Unternehmen? Jürgen Amedick, Leiter Siemens Niederlassung Nürnberg, beantwortet diese Frage mit einem klaren „Nein“. Viele kleine und mittelständische Unternehmen haben Hemmungen sich mit der Thematik der Digitalisierung zu beschäftigen, da sie davon ausgehen, eine komplette digitale Strategie zu benötigen. Wichtiger als eine Strategie ist es jedoch, mit kleinen Schritten einzelne Prozesse zu verbessern und auch kleinere Fehler zuzulassen. Die Fragen, die sich gestellt werden müssen sind: Was will ich verbessern? Wie kann mir die Digitalisierung dabei helfen? Bereits die Optimierung kleinere Prozesse kann einen Produktivitätsgewinn erzielen. Siemens hat die Produktentstehung durch den Einsatz von Digital Twins innerhalb einer Simulationslösung flexibler gestaltet, wobei Produkte und Prozesse optimiert werden und langjährige Tests entfallen. Schon vor dem Beginn der Produktionsprozesse, in der Entstehung von Ideen, muss die neue Rolle des Verbrauchers erkannt werden. Immer öfter wird der Kunde selbst zum Designer und fordert ein immer höheres Maß an Individualität ein.

In der Vortragsreihe zur „Digitalen Wirtschaft“ ging es um xReach (Lösungsplattform für den Omni Channel Handel), Social Scoring für Versicherungen und auch die Digitale Transformation im Unternehmen. Jörg Ziegler, Leiter IT am Flughafen Nürnberg, hat beispielsweise die digitalisierten Prozesse des Flughafens vorgestellt und wie diese Bindeglied zwischen IT und Kunde sein können. Die IT ist damit in einer Beraterrolle und soll mit einem Customer Service in Form eines Helpdesks Anfragen zu Störungen, Aufträgen, Projekten und Bestellungen ganzheitlich betreuen können. Wichtig für diesen Prozess ist es, dass damit nicht die persönliche Betreuung entfällt, sondern lediglich einen zusätzlichen Service für den Kunden bietet. Die Servicequalität wird jährlich in einem Kundenreport abgefragt, damit eine Optimierung ermöglicht wird.

Für das Thema „Digital Industry“ haben Vertreter aus der Industrie über Digitalisierung von Fertigungsprozessen, IOT/Cloud-Lösungen und Industrie 4.0 der Region gesprochen. Am Nachmittag fand in diesem Rahmen der Vortrag „Smart, Realtime, Big – Strategien, Konzepte, Praxisbeispiele für eine IT 2020“ von Konstantin Böhm, CEO Ancud IT-Beratung, statt. Die Trends in der IT gehen von Vernetzung zu Adaptivität, Augmentierung und Autonomie. Das Potenzial von zukunftsweisender Technologien wird jedoch bisher wenig genutzt. Auch wird für Digitales bisher ungern viel Geld ausgegeben und das Digital Work Life beschränkt sich auf ein Minimum. Für erste IOT-Integrationen bietet sich, gerade für kleine und mittelständische Unternehmen, eine Open Source Lösung an – also in Form einer Open Source IOT-Plattform. So ist es potenziell möglich, dass jedes Unternehmen von IOT-Technologien profitiert. Aber bereits durch Smart Office Automation können simple Abfragen zur Einsparung von Ressourcen führen (Beispiel: Sind die Besprechungszimmer verfügbar? Ist der Referent bereits da? Sind Mülleimer voll? Ist das Firmenfahrzeug verfügbar?).

Durch Augmented Reality (AR) werden 3D Animationen und Datenvisuallisierungen über Auslesegeräte virtuell und in räumlichen Perspektiven dargestellt. Ralf Scheid, CEO PION-ONE AG, hat in seinem Vortrag innerhalb der Vortragsreihe „Digital Solutions“ die Chancen durch Augemted, Virtual und Mixed Reality vorgestellt. Aktuell findet die Entwicklung größten Teils im B2B Bereich statt, da es für den Konsumentenmarkt bisher noch an Leistungsstärke der Server fehlt. Der große Vorteil der Augmented Reality gegenüber Datenbrillen ist es, dass Prozesse mitgenommen und mit anderen Prozessen zusammengeführt werden können. In Zusammenhang dazu steht eine Datenbank Lösung, durch die Prozesse gespeichert und gesucht werden können. Bisher können vorhandene 3D Datensätze noch nicht in das AR System übernommen werden, ohne dass sie zuvor nochmal überarbeitet werden müssen. Die Entwicklung eines Konverters ist daher entscheidend. Weitere Vorträge im Bereich Digital Solutions behandelten unter anderem The Nomandic Network, Innovative Cloud-Lösungen und Herausforderungen der Industrie 4.0 für KMUs.

Die Programmpunkte über die neue Europäische Datenschutz-Grundverordnung, Security als Qualitätsmerkmal für Industrie 4.0 und Embedded Security Engineering befassen sich mit IT-Security. Das Thema Sicherheit gilt für viele als Schlüsselherausforderung der Digitalisierung. Die neue europäische Datenschutz-Grundverordnung ist entstanden, da die Umsetzung der bisherigen Richtlinien auf nationaler Ebene den gewünschten Harmonisierungseffekt nicht erreichen konnten. Zahlreiche nationale Aufsichtsbehörden und Sonderregelungen haben zu Verwirrung auf internationaler Ebene geführt. Es werden drei primäre Ziele verfolgt: mehr Kontrolle über Daten für die Betroffenen, globale Standards und Optimierung der Regelungen für den digitalen Binnenmarkt. Nach Art. 13 EU-DSVO entsteht eine Informationspflicht bei Erhebung von personenbezogenen Daten bei der betroffenen Person. Für Unternehmen ist vor allem zu beachten, dass Nachweisanforderungen gestiegen sind und die deutliche Unterscheidung von personenbezogenen Daten und nicht-personenbezogenen Daten gemacht werden muss.

v.l.n.r.: Prof. Kempf, Dr. Ing. Couronné, Prof. Heuberger, M. Oschmann Foto: Ilona Hörath